Ein Skigebiet für zwei Euro: Was nach einem kuriosen Schnäppchen klingt, soll in der Steiermark eine Schließung verhindern. Das kleine Skigebiet auf der Brunnalm an der Hohen Veitsch im Mürztal steht vor einem Neustart. Weil die Gemeinde den verlustreichen Betrieb nicht mehr finanzieren kann, sollen zwei private Investoren die Betreibergesellschaft zum symbolischen Preis übernehmen. Für Familien aus der Umgebung geht es dabei um mehr als einen Eigentümerwechsel: Ihr Skigebiet vor der Haustür soll erhalten bleiben.
Zwei Käufer wollen Lifte weiterlaufen lassen

Der Gemeinderat von Sankt Barbara im Mürztal hat dem Verkauf in der jüngsten Sitzung am 16. Oktober 2026 einstimmig zugestimmt. Übernehmen sollen die Neuberger Unternehmerin Margret Kraischek und der Gemeindemitarbeiter Michael Stoppacher. Verkauft wird die Freizeitbetriebe Veitsch GmbH, die bislang vollständig der Gemeinde gehört und das Skigebiet betreibt.
Dem Beschluss ging eine lange Suche voraus. Bürgermeister Arno Russ hatte im In- und Ausland nach Interessenten gesucht, zunächst ohne Erfolg. Ohne einen Käufer hätte die Gesellschaft nach seiner Darstellung Insolvenz anmelden müssen. Damit wäre auch der Skibetriebmit den sechs Liften und 12 Pistenkilometern vor dem Aus gestanden, wie mehrere lokale Zeitungen berichten.
Ganz abgeschlossen ist die Übernahme noch nicht. Es fehlt noch die aufsichtsbehördliche Genehmigung des Landes Steiermark. Die Übergabe ist für den 1. November vorgesehen.
Wettervorhersage
Kleiner Kaufpreis, große finanzielle Aufgabe

Mit den zwei Euro sind die eigentlichen Kosten längst nicht bezahlt. Die Freizeitbetriebe mussten über Jahre finanziell gestützt werden. Gemeinde und Land schossen Geld zu, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Die alten Schulden sollen Kraischek und Stoppacher allerdings nicht übernehmen. Für deren Regelung nennt Bürgermeister Russ rund 4,5 Millionen Euro. Die Gemeinde soll diese mit erheblicher Unterstützung des Landes Steiermark abwickeln. Auch die Bank verzichtet auf einen Teil ihrer Forderungen, wie die Obersteirische Rundschau berichtet.
Die finanzielle Verantwortung der Gemeinde endet deshalb nicht mit dem Verkauf: Für die Rückzahlung ist ein Kredit über zehn Jahre vorgesehen, dessen Zinsen sie tragen soll. Entlastung verspricht sich die Kommune vor allem davon, künftig nicht mehr für den laufenden Skibetrieb aufkommen zu müssen.
Die Käufer verpflichten sich im Gegenzug, den Betrieb mindestens drei Jahre weiterzuführen. Für ein vorzeitiges Ende ist eine Vertragsstrafe von 250.000 Euro vorgesehen. Investitionen können darauf angerechnet werden.
Kleines Skigebiet mit Plänen für das ganze Jahr

Die Brunnalm liegt am Fuß der Hohen Veitsch in der Gemeinde Sankt Barbara im Mürztal. Mehr als zwölf Pistenkilometer verteilen sich auf Höhen zwischen 1.050 und 1.450 Metern. Ein Sessellift und drei Schlepplifte erschließen die Abfahrten. Von Großstädten wie Wien und Graz ist das Skigebiet nur eine Fahrstunde entfernt.
Das Angebot ist überschaubar. Genau solche Skigebiete ermöglichen Familien aus der Umgebung aber einen unkomplizierten Zugang zum Wintersport. Für Kinder kann der erste Skikurs hier stattfinden, ohne dass dafür eine längere Urlaubsreise nötig ist. Den Erhalt dieser Möglichkeit nennt auch Bürgermeister Russ als wesentliches Ziel der Übernahme.
Damit die Brunnalm wirtschaftlich auf die Beine kommt, wollen die künftigen Eigentümer das Angebot über den Winter hinaus ausbauen. Geplant sind Alm-Camping sowie Angebote für Pilger und Mountainbiker. Der Betrieb soll dadurch auf mehreren Einnahmequellen aufbauen, erklärt Kraischek gegenüber MeinBezirk. In den kommenden drei Jahren möchte das Duo insgesamt 1,3 bis 1,5 Millionen Euro investieren.
Vorerst stehen aber die Liftanlagen im Mittelpunkt. Sie müssen für die Wintersaison vorbereitet und gewartet werden. Für das Restaurant „Die Gams“ ist nach Angaben von Kraischek bereits ein neuer Pächter gefunden.
Den Saisonstart peilen die künftigen Betreiber für Anfang Dezember 2026 an. Voraussetzung sind passende Wetter- und Schneeverhältnisse, wie Stoppacher der Obersteirischen Rundschau sagte.




