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Höhenrausch in Alpe d'Huez: Die legendären Mammutabfahrten im Porträt

Alpe d'Huez, eines der traditionsreichsten, größten und interessantesten Skigebiete Frankreichs, liegt etwa eine Autostunde östlich von Grenoble und ist vielen oft nur durch die Bergankunft der Tour de France bekannt. Aber speziell im Winter ist das Gebiet ein Magnet für sehr gute Skifahrer.

Die berühmte „Sarenne“ wird seit ihrer Eröffnung im Jahr 1976 oft als „längste schwarze Piste der Welt“ bezeichnet und zieht deshalb Skifahrer und Snowborder aus allen Kontinenten magisch an. Das ist aber längst nicht die einzige Mammutabfahrt: Alpe d'Huez ist ein wahres Eldorado mit mehreren Pisten über 2000 Höhenmeter – das ist in den Alpen einzigartig. 

Der österreichische Extremsportler und Autor Rolf Majcen war bereits mehrfach in Alpe d'Huez unterwegs und stellt uns im Folgenden die XXL-Abfahrten des Skigebiets mal näher vor. 

Mythos Sarenne: 16 Kilometer durch das Hochgebirge

Die Sarenne gibt es bereits seit 50 Jahren.
Die Sarenne gibt es bereits seit 50 Jahren. © Rolf Majcen

Das Gesamt-Skigebiet "Alpe d'Huez Grand Domaine" vereint die Sektionen Alpe d’Huez, Auris-en-Oisans, Huez-en-Oisans, Oz-en-Oisans, Vaujany und Villard Reculas zu einem himmlischen Spielplatz mit rund 250 Pistenkilometern.

Die berühmteste Abfahrt ist die Sarenne, die 2026 ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. Sie führt vom Pic Blanc (3330m) am Ostrand des Skigebietes bis in die 1800 Höhenmeter tiefer gelegene Sarenne-Schlucht. Ihre oft gerühmte Länge von 16 Kilometern schafft man zwar nur mit sehr ausgedehnten Schwüngen, aber sie ist auch bei sportlicher Fahrweise lange genug, um als brillantes alpines Erlebnis einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Die Jubilarin besticht durch ihre reizvolle, abwechslungsreiche Linie durch das wilde, märchenhafte Hochgebirge. Blickfang im Südosten ist die Meije (3983m), die als Königin der Dauphiné bezeichnet wird und aus dem wild gezackten Nationalpark Écrins, dem "Karakorum der Alpen", herausragt. Unmittelbar daneben erhebt sich die Barre des Écrins (4102m), der südlichste und zugleich westlichste Viertausender der Alpen.

Die Sarenne ist nur beim Start am Pic Blanc und im südseitig ausgerichteten Riesenkar, das einst vom mächtigen Sarenne-Gletscher bedeckt war, wirklich "schwarz". Die Einstufung trägt sie auch als Mahnung, weil man sie nach dem Losfahren nicht mehr verlassen kann. Man muss also genug Kraft, Können und Ausdauer haben, um sie bis zum Ende zu fahren!  

Die Schwierigkeitsgrade von "Schwarz" bis "Grün" garantieren eine großartige Kombination aus Nervenkitzel und Entspannung und machen den besonderen Reiz der Abfahrt aus. Nach einer spektakulären Felspassage im unteren Teil hat man die Steilstücke endgültig überwunden. Dann kann man in der engen, flachen Sarenne-Schlucht neben dem Gebirgsbach Gua noch mehrere Kilometer lang dahingleiten, bis man den Verbindungslift (1530m) von Auris nach Alpe d'Huez erreicht.

Wer nach der entlegenen Hochgebirgsabfahrt wieder im Zentrum des Skigebiets angekommen ist, darf stolz darauf sein, eine der berühmtesten Skipisten der Welt erlebt zu haben. Die Frage, ob sie zu Recht die "längste schwarze" Piste ist, wird wohl vom großartigen Erlebnis überlagert.

>> Zum Pistenplan von Alpe d'Huez

Pic Blanc: Der Startpunkt über den Wolken

Die Seilbahn zum Pic Blanc gehört zu den höchstgelegenen der Welt. Gut zu erkennen ist auch die Steilpiste 'Tunnel' und der Tunnelausgang.
Die Seilbahn zum Pic Blanc gehört zu den höchstgelegenen der Welt. Gut zu erkennen ist auch die Steilpiste 'Tunnel' und der Tunnelausgang. © Rolf Majcen

Der Pic Blanc – Ausgangspunkt der Sarenne – ist einer der höchsten Gipfel der Grandes Rousses, dem Gebirgsmassiv im nordwestlichen Teil der Dauphiné-Alpen, und ein phänomenaler Aussichtsberg.

An klaren Tagen reicht die Sicht vom Mont Blanc über die Westalpen hinweg bis zum 120 km Luftlinie entfernten Mont Ventoux in der Provence. Flankiert vom Pic Bayle (3465m) im Norden und dem Pic de l`Herpie (3012m) im Süden überragt die Weiße Spitze mit ihren 3330 Metern das Gesamt-Skigebiet von Alpe d’Huez. An der Bergstation des Pic Blanc (zu deutsch: Weiße Spitze) thront die gigantische Pic-Blanc-Seilbahn samt Aussichtsterrasse. Sie gehört zu den höchstgelegenen Seilbahnen der Alpen und wurde vor einem Jahr komplett modernisiert.

An der Bergstation starten gleich mehrere berühmte Abfahrten: Neben der Sarenne auch die Pisten Glacier, Tunnel, Cassini, Breche und Chateau Noir. Alle besitzen den Schwierigkeitsgrad "Schwarz", denn für "Rot" oder "Blau" ist die Gipfelregion ungeeignet. Kein anderer Berg in den Alpen hat so viele Pisten der anspruchsvollsten Kategorie.

Die Höhenlage einerseits und die spezielle Topographie der Südseite der Grandes Rousses – viele Berghänge fallen ohne Gegenanstieg bis in die tief gelegenen Täler der Flüsse Romanche im Süden und Eau d'Olle im Westen ab – lassen gleich mehrere Skiabfahrten mit Höhenunterschieden von etwa 2000 Metern zu! In keinem anderen Skigebiet der Alpen findet man so viele große Abfahrten.

Durch den Tunnel zur buckeligen Steilflanke

Nur für sehr gute Skifahrer: Am Eingang des Tunnels warnt ein Hinweisschild die Wintersportler.
Nur für sehr gute Skifahrer: Am Eingang des Tunnels warnt ein Hinweisschild die Wintersportler. © Rolf Majcen

Die herausforderndeste Abfahrt im Skigebiet ist die berüchtigte Steilabfahrt "Tunnel", die oft als schwierigste Skipiste der Alpen bezeichnet wird. Sie beginnt am Pic Blanc (3330m) und kann mit weiteren Pisten bis zur Talstation der Seilbahn in Enversin d`Oz (1125m) am Westrand des ausgedehnten Skigebiets ergänzt werden. Diese 2205 Höhenmeter sind Platz 2 im Alpen-Ranking. Es fehlen nur 38 Meter zum Rekord, den die "Jandri" im benachbarten Skigebiet Les 2 Alpes mit 2243 Höhenmetern und 17km Länge hält. Divergierend zur Jandri kann die Tunnel-Abfahrt nur von sehr guten Skifahrern, die den Herausforderungen an den Steilhängen der Weißen Spitze gewachsen sind, gemeistert werden.

Von der Bergstation am Pic Blanc führen unterschiedliche Routen über die ersten 230 Höhenmeter bis zum Eingang des legendären "Tunnel des Grandes Rousses“ . Vor dem illuminierten Felstunnel warnt eine Tafel mit den Worten „Piste très difficile – pour très bon skieur“ (zu deutsch: "sehr schwierige Piste – nur für sehr gute Skifahrer") vor den Schwierigkeiten. Erst unmittelbar nach dem 200 Meter langen Tunnel, auf einem kleinen, atemberaubenden, abgesicherten Platz direkt unter den rassigen Felswänden der Westflanke des Pic Blanc, realisiert man dann, was auf einen zukommt. Hier ist die letzte Möglichkeit um doch noch umzudrehen.

Wer die schwierige, stark von den Verhältnissen abhängige, hochalpine Naturpiste mit ihren Buckeln bewältigt, wird mit bombastischen Gefühlen beschenkt, die sicher ewig in Erinnerung bleiben werden. Hat man die 200 Höhenmeter steile Flanke nach dem Felstunnel gut überstanden, stößt man auf etwa 2900 Meter Höhe wieder auf präpariertes Gelände, das man bis Enversin d`Oz nicht mehr verlässt.

Weitere XXL-Abfahrten rund um den Pic Blanc

Am Pic Blanc starten in 3330 Metern Höhe gleich mehrere Mammutabfahrten in die verschiedenen Talorte.
Am Pic Blanc starten in 3330 Metern Höhe gleich mehrere Mammutabfahrten in die verschiedenen Talorte. © Rolf Majcen

Neben der Route nach Enversin d’Oz warten rund um den Pic Blanc noch mehrere außergewöhnlich lange Talabfahrten. Bei geöffnetem Tunnel können sehr gute Skifahrer beispielsweise bis nach La Villette abfahren und dabei rund 2.030 Höhenmeter überwinden. Knapp 2.000 Höhenmeter sind es bis ins autofreie Oz-en-Oisans, während die Strecke ins alte Dorf Huez mit 1.860 Höhenmetern ebenfalls beeindruckende Dimensionen erreicht.

Alle Varianten beginnen im kargen Hochgebirge, unterscheiden sich aber vor allem in ihrem Finale. In Richtung La Villette geht es bis in den bewaldeten Talboden der Eau d’Olle, Oz-en-Oisans bietet mehrere unterschiedlich schwierige Möglichkeiten für den letzten Abschnitt, und auf dem Weg nach Huez durchquert man sogar das Zentrum von Alpe d’Huez, bevor die Abfahrt im historischen Dorf endet. Welche Route möglich ist, hängt stets von Schneelage, geöffneten Pisten und Liftbetrieb ab.

Eine Sonderstellung nimmt die Brèche ein. Die unpräparierte Freeride-Route eröffnet bei geeigneten Bedingungen weitere Linien nach Oz oder Huez, ist jedoch ausschließlich sehr erfahrenen Freeridern vorbehalten. Vollständige Sicherheitsausrüstung, genaue Kenntnis der Lawinenlage und idealerweise ein ortskundiger Bergführer sind hier unverzichtbar.

Das seltene Zusammenspiel für einen perfekten Skitag

Jedes Mal aufregend: Der Eingang zum legendären „Tunnel des Grandes Rousses“ (3100m). Der Tunnel wird ab 10 Uhr geöffnet, wenn es die Wetterbedingungen zulassen.
Jedes Mal aufregend: Der Eingang zum legendären „Tunnel des Grandes Rousses“ (3100m). Der Tunnel wird ab 10 Uhr geöffnet, wenn es die Wetterbedingungen zulassen. © Rolf Majcen

Alpe d’Huez trägt wegen seiner vielen Sonnenstunden den Beinamen „L'Île au Soleil“, die Sonneninsel. Doch gerade die größten Abfahrten zeigen, dass Sonne allein nicht genügt. Gute Sicht, ausreichend Schnee bis in die tiefen Tallagen, wenig Wind am Pic Blanc und eine sichere Lawinensituation müssen gleichzeitig zusammenkommen. Das ist seltener, als der Blick auf die Pistenkarte vermuten lässt. Wer einen solchen Tag erwischt, sollte früh starten und das Erlebnis in vollem Umfang genießen. 

Andrea Poschinger
Als Redakteurin bei SnowOnline habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht: Seit 2016 bin ich leitend für den Content auf Deutschlands größtem Wintersportportal zuständig. Die Berge faszinieren mich seit jeher und auf Skiern stand ich zum ersten Mal im Kindergarten. Falls ihr Fragen oder Anregungen zu SnowOnline oder unserem Sommerportal Mehr erfahren
aktualisiert am 11.08.2026

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