Beim Skifahren leisten Beine und Rumpf über viele Stunden harte Arbeit, während Balance und Koordination bei jedem Schwung gefordert sind. Wer seinen Körper schon vor dem ersten Skitag gezielt vorbereitet, hält die typische Fahrposition länger stabil und kann seine Kraft auf der Piste besser einteilen. Diese sieben Übungen für zu Hause trainieren genau die Bereiche, auf die es beim Skifahren ankommt.
Rechtzeitig mit der Skigymnastik beginnen
Idealerweise startest du sechs bis acht Wochen vor dem ersten Skitag mit dem Training. Wichtiger als einzelne besonders intensive Einheiten ist die Regelmäßigkeit: Zwei kurze Workouts pro Woche sind ein gut umsetzbarer Einstieg. Wer bislang wenig Sport gemacht hat, beginnt mit einem Durchgang und steigert die Belastung schrittweise.
Auch bei einer kürzeren Vorbereitungszeit lohnt es sich, aktiv zu werden. Versuche jedoch nicht, fehlendes Training durch besonders viele Wiederholungen oder tägliche intensive Einheiten aufzuholen. Muskeln, Sehnen und Gelenke benötigen Zeit, um sich an die Belastung zu gewöhnen.
Bei akuten Schmerzen, einer kürzlich erlittenen Verletzung oder bekannten Herz-Kreislauf- und Gelenkbeschwerden solltest du das Training vorab medizinisch beziehungsweise physiotherapeutisch abklären lassen.
Was beim Skifahren gefordert ist
Beim alpinen Skifahren spielt vor allem die Kraftausdauer eine wichtige Rolle. Die Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur muss die gebeugte Fahrposition über längere Zeit stabilisieren. Gleichzeitig unterstützt ein kräftiger Rumpf dabei, Bewegungen zu kontrollieren und auf Unebenheiten zu reagieren.
Auch Gleichgewicht und Koordination gehören zur Vorbereitung. Schnee, Sicht und Gelände verändern sich während eines Skitags laufend. Der Körper muss seine Position deshalb immer wieder anpassen. Eine solide Grundlagenausdauer trägt außerdem dazu bei, dass die Leistungsfähigkeit im Tagesverlauf weniger schnell nachlässt.
Gezieltes Training kann den Körper belastbarer machen. Es verhindert jedoch nicht automatisch Stürze oder Verletzungen. Fahrtechnik, passende Ausrüstung, ein kontrolliertes Tempo und rechtzeitige Pausen bleiben ebenso wichtig.
So trainierst du mit den sieben Übungen
Wärme dich vor dem Übungszirkel fünf bis zehn Minuten auf. Dafür eignen sich zügiges Gehen, lockeres Laufen auf der Stelle, Armkreisen und einige kontrollierte Kniebeugen. Anschließend kannst du die sieben Übungen nacheinander absolvieren.
Einsteiger beginnen mit einer Runde. Nach einigen Trainingseinheiten lässt sich der Zirkel auf zwei oder drei Durchgänge steigern. Achte bei jeder Übung auf eine kontrollierte Ausführung. Sobald die Körperhaltung instabil wird oder Schmerzen auftreten, ist es Zeit für eine Pause.
Übung 1: Wedelhüpfen
Beim Wedelhüpfen bringst du Kreislauf und Muskulatur in Schwung. Stelle die Füße eng nebeneinander und springe leicht nach oben. Bewege Beine und Becken dabei abwechselnd nach links und rechts, während der Oberkörper möglichst stabil nach vorne ausgerichtet bleibt.
Als Variante kannst du einen Skistock oder einen anderen flachen Gegenstand auf den Boden legen und mit geschlossenen Beinen seitlich darüber hin- und herspringen. Lande möglichst weich und achte darauf, dass Knie und Füße in dieselbe Richtung zeigen. Führe die Übung 30 bis 60 Sekunden lang aus.
Übung 2: Abfahrtshocke
Mit der Abfahrtshocke trainierst du die Haltekraft der Oberschenkel sowie die Stabilität des Rumpfes. Stelle die Füße etwa hüftbreit auf, beuge Knie und Hüfte und schiebe das Gesäß nach hinten. Der Oberkörper neigt sich leicht nach vorne, der Rücken bleibt lang und der Bauch angespannt.
Halte die Arme nach vorne und bleibe 20 bis 40 Sekunden in dieser Position. Gehe nur so tief, wie du die Haltung stabil und schmerzfrei halten kannst. Wiederhole die Übung dreimal. Schwieriger wird sie, wenn du das Gewicht langsam vom rechten auf das linke Bein verlagerst.
Übung 3: Ausfallschritt
Der Ausfallschritt kräftigt Beine und Gesäß und fordert gleichzeitig die Koordination. Mache mit einem Bein einen ausreichend großen Schritt nach vorne. Beuge beide Knie und senke das hintere Knie kontrolliert in Richtung Boden. Der Oberkörper bleibt möglichst aufrecht.
Achte darauf, dass das vordere Knie der Richtung der Fußspitze folgt und nicht nach innen kippt. Wie weit es sich nach vorne bewegt, hängt unter anderem von deiner Schrittlänge und Beweglichkeit ab. Drücke dich anschließend über den vorderen Fuß wieder nach oben. Absolviere 8 bis 10 Wiederholungen pro Seite.
Übung 4: Kniebeugen
Ein wahrer Klassiker sind die Kniebeugen. Stelle die Füße etwa hüft- bis schulterbreit auf. Strecke die Arme nach vorne, schiebe das Gesäß nach hinten und beuge die Knie. Der Rücken bleibt in seiner natürlichen Position und die Fersen stehen während der gesamten Bewegung auf dem Boden.
Gehe nur so tief, wie du die Bewegung kontrollieren kannst. Die Knie folgen der Richtung der Fußspitzen und kippen nicht nach innen. Richte dich anschließend wieder vollständig auf. Für den Einstieg eignen sich 2 bis 3 Sätze mit jeweils 10 bis 15 Kniebeugen.
Falls dir die Beweglichkeit fehlt, kannst du den Stand etwas verbreitern oder zunächst nur einen Teil der Bewegung ausführen. Eine Wand oder ein stabiler Stuhl kann zusätzliche Orientierung geben.
Übung 5: Unterarmstütz und Seitstütz
Lege beim Unterarmstütz die Unterarme auf dem Boden ab. Die Ellenbogen befinden sich ungefähr unter den Schultern. Hebe Knie und Becken an, sodass Kopf, Oberkörper und Beine möglichst eine gerade Linie bilden. Spanne Bauch und Gesäß an, ohne die Luft anzuhalten.
Halte die Position 20 bis 40 Sekunden, solange die Körperspannung sauber erhalten bleibt. Zwei bis drei Durchgänge genügen. Eine leichtere Variante ist der Unterarmstütz mit abgelegten Knien.
Für den Seitstütz legst du dich auf eine Seite und stützt dich auf dem Unterarm ab. Hebe das Becken an und halte den Körper stabil. Auch hier kannst du die unteren Knie zunächst auf dem Boden lassen. Trainiere anschließend die andere Seite.
Übung 6: Ballkreisen im Einbeinstand
Stelle dich auf ein Bein und führe einen Ball langsam um die Hüfte. Nach etwa zehn Umrundungen wechselst du die Richtung. Anschließend ist das andere Bein an der Reihe.
Blicke während der Übung geradeaus und fixiere einen Punkt im Raum. So trainierst du Gleichgewicht, Koordination und die Stabilität des Standbeins. 2 bis 3 Durchgänge pro Seite sind ausreichend.
Stelle dich als Einsteiger in die Nähe einer Wand oder Stuhllehne, damit du dich bei Bedarf abstützen kannst. Statt eines Balls lässt sich auch ein Skihelm verwenden.
Übung 7: Beidbeiniger Sprung aus dem Stand
Stelle dich hüftbreit vor eine niedrige, stabile und rutschfeste Erhöhung. Beuge Knie und Hüfte leicht, nimm die Arme nach hinten und springe mit beiden Beinen gleichzeitig ab. Lande möglichst leise mit leicht gebeugten Knien auf der Erhöhung.
Richte dich nach der Landung vollständig auf und steige kontrolliert wieder herunter. Springe nicht rückwärts von der Kiste. Führe drei Sätze mit jeweils 6 bis 10 sauberen Wiederholungen aus und lege dazwischen eine ausreichende Pause ein.
Wenn dir der Sprung noch zu anspruchsvoll ist, kannst du abwechselnd mit einem Bein auf eine Treppenstufe steigen. Schnelle Step-ups trainieren ebenfalls Beine und Koordination, ohne dass du auf eine erhöhte Fläche springen musst.
So wird aus den Übungen ein Trainingsplan
Zwei Einheiten pro Woche sind für den Einstieg ein realistisches Ziel. Zwischen intensiveren Trainingstagen sollte mindestens ein Erholungstag liegen. Beginne mit einem Durchgang aller sieben Übungen und pausiere zwischen den Stationen etwa 30 bis 60 Sekunden.
Sobald du alle Bewegungen sauber beherrschst, kannst du einen zweiten Durchgang ergänzen. Erst danach solltest du die Haltedauer, die Zahl der Wiederholungen oder den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Mehrere Faktoren gleichzeitig zu steigern, führt besonders nach längeren Sportpausen schnell zu einer unnötig hohen Belastung.
Ergänzend zur Skigymnastik bieten sich ein bis zwei lockere Ausdauereinheiten an. Radfahren, Joggen, zügiges Wandern oder Treppensteigen stärken die Grundlagenausdauer. Wähle eine Sportart, die zu deinem aktuellen Trainingsstand passt und die du regelmäßig ausüben kannst.
Training in den Alltag integrieren
Kleine Übungen lassen sich auch außerhalb eines festen Workouts unterbringen. Stelle dich beim Zähneputzen für einige Sekunden auf ein Bein oder hebe am Schreibtisch wiederholt die Zehen an, während die Fersen auf dem Boden bleiben. Damit aktivierst du die Schienbeinmuskulatur.
Beim Kochen kannst du dich mehrmals kontrolliert auf die Zehenspitzen stellen und langsam wieder absenken. Treppen statt Aufzug und kurze Spaziergänge in der Mittagspause bringen zusätzliche Bewegung in den Tag. Diese kleinen Einheiten ersetzen kein vollständiges Training, helfen aber dabei, Balance und Grundaktivität regelmäßig anzusprechen.
Wer lieber gemeinsam trainiert, kann sich bei örtlichen Skiclubs, Sportvereinen oder Fitnessstudios nach Skigymnastik-Kursen erkundigen. Dort lässt sich die Ausführung der Übungen direkt kontrollieren und an das persönliche Leistungsniveau anpassen.
Essen und trinken rund ums Training
Für das übliche Freizeittraining ist keine spezielle Sporternährung notwendig. Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung versorgt den Körper in der Regel mit der benötigten Energie. Vor dem Training eignet sich eine gut verträgliche Mahlzeit, die nicht schwer im Magen liegt.
Bei kurzen Einheiten genügt meist Wasser als Getränk. Spezielle isotonische Getränke sind nicht grundsätzlich erforderlich. An langen und anstrengenden Skitagen können gut transportierbare Snacks wie eine Banane, ein belegtes Brot oder Nüsse sinnvoll sein. Plane außerdem regelmäßige Trinkpausen ein, denn in der kalten Bergluft wird Durst häufig weniger deutlich wahrgenommen.
Die ersten Abfahrten ruhig angehen
Auch nach mehreren Wochen Skigymnastik sollte der erste Skitag kontrolliert beginnen. Wärme dich vor der ersten Abfahrt kurz auf und starte auf einer einfachen Piste. Die ersten Schwünge dienen dazu, wieder ein Gefühl für Ski, Schnee und Bewegungsabläufe zu bekommen.
Lege Pausen ein, bevor Kraft und Konzentration deutlich nachlassen. Ermüdung zeigt sich häufig durch eine instabilere Fahrposition und unsaubere Bewegungen. Vor dem Saisonstart sollten außerdem Skischuhe, Ski und Bindung überprüft werden.











