Der Ski-Weltcup soll 2028 endlich nach Zermatt kommen! Schon 2022 und 2023 gab es zwei Anläufe auf der Gran Becca, doch alle acht geplanten Abfahrten mussten wegen Schnee- und Wetterproblemen abgesagt werden. Nun nimmt der Walliser Ort einen neuen Anlauf: Laut aktuellen Schweizer Medienberichten steht Zermatt im provisorischen FIS-Kalender für die Saison 2027/28.
Geplant sind zwei Speedrennen der Männer in der zweiten Märzhälfte 2028. Diesmal soll allerdings nicht hoch oben am Theodulgletscher gefahren werden, sondern auf einer neuen Strecke am Gornergrat. Endgültig fix ist die Premiere aber noch nicht.
Gornergrat ersetzt Gran Becca

Mit der neuen Strecke verabschiedet sich Zermatt vom länderübergreifenden Konzept. Während die Gran Becca in der Schweiz startete und im italienischen Cervinia endete, bleibt die Gornergrat-Abfahrt komplett auf Schweizer Boden. Das macht die Anreise für Teams, Helfer und Zuschauer deutlich einfacher.
Der Start ist auf rund 2.835 Metern Höhe unterhalb der Bergstation des Sessellifts Gifthittli vorgesehen. Von dort folgen die Rennfahrer zunächst der Piste 35 in Richtung Riffelberg. Anschließend führt die Strecke über die Riffelalp hinunter nach Schweigmatten. Das Ziel liegt nahe der Zwischenstation des Riffelberg-Express.
Insgesamt soll die neue Abfahrt etwa 3,6 Kilometer lang werden. Für das Streckendesign ist der frühere Abfahrts-Olympiasieger Didier Défago verantwortlich, unterstützt wird er von Pirmin Zurbriggen.
Dieser Abschnitt dürfte für Aufsehen sorgen

Der ungewöhnlichste Teil der Strecke wartet an der Gornergratbahn. Rund 300 Meter lang sollen die Rennfahrer über das Dach der Galerie Riffelbord fahren. Danach geht es mit einem Sprung weiter in den nächsten Streckenabschnitt – das Matterhorn stets im Hintergrund.
Damit die Passage sicher befahrbar wird, sind an der Galerie entsprechende Auf- und Abfahrtsrampen notwendig. Auch an anderen Stellen muss die bestehende Piste verbreitert oder im Gelände angepasst werden. Außerhalb der Rennwochenenden soll die erneuerte Abfahrt übrigens auch normalen Skigästen offenstehen.
Bei den Schweizer Ski-Profis Marco Odermatt und Franjo von Allmen kommt der Entwurf bereits gut an. Organisator Franz Julen stellte den Swiss-Ski-Fahrern die geplante Streckenführung im August vor. Von Allmen erwartet bei einer Umsetzung nach Plan ein spektakuläres Rennen.
So will Zermatt neue Absagen verhindern
Der Wechsel zum Gornergrat ist nicht die einzige Veränderung. Auch der Termin rutscht deutlich nach hinten. Die Rennen auf der Gran Becca waren im Oktober beziehungsweise November angesetzt und sollten den frühen Auftakt der Speed-Saison bilden. Am Gornergrat soll nun erst in der zweiten Märzhälfte gefahren werden.
Die tiefere Lage und die direktere Verbindung zum Ort sollen den Rennbetrieb weniger anfällig machen. Auch das Wetter soll im März deutlich stabiler sein. Gleichzeitig bringt der späte Termin eine neue Herausforderung mit sich: Im März herrscht in Zermatt Hochsaison. Für Fahrer, Betreuer, Medienvertreter, Helfer und Fans müssen daher genügend Unterkünfte bereitstehen.
Welche beiden Wettbewerbe genau ausgetragen werden, ist bislang nicht bekannt. Fest steht lediglich, dass die Männer zwei Speedrennen erhalten sollen. Denkbar wären zwei Abfahrten oder eine Kombination aus Abfahrt und Super-G.
Wettervorhersage
Millionenprojekt bekommt grünes Licht

Für den Ausbau der Gornergrat-Piste greift Zermatt tief in die Tasche. Laut „Blick“ fließen rund 13 Millionen Schweizer Franken in die neue Rennstrecke. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche Beschneiungsanlagen, Geländeänderungen und bauliche Anpassungen entlang der Trasse.
Auch Eingriffe in die Natur lassen sich nicht vollständig vermeiden. Im unteren Streckenbereich müssen Waldflächen gerodet werden. Die Streckenführung wurde während des Planungsverfahrens allerdings noch einmal verändert, um Rodungen und größere Geländeeingriffe zu reduzieren.
Die Zermatter Bevölkerung stellte sich im Juni 2026 mit großer Mehrheit hinter das Vorhaben. Die notwendige Teilrevision des Nutzungsplans wurde bei vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen angenommen. Für den Zielbereich in Schweigmatten gelten außerdem klare Vorgaben: Tribünen, Medienflächen und weitere Veranstaltungsbauten dürfen nur vorübergehend stehen und müssen nach den Rennen wieder entfernt werden.
Große Renntradition, aber noch keine Weltcuppremiere

Skirennen am Gornergrat sind keine neue Idee. Zwischen 1946 und 1967 lockte das internationale Gornergrat-Derby zahlreiche Spitzenfahrer nach Zermatt. Die damalige Männerabfahrt war sechs Kilometer lang und überwand rund 1.500 Höhenmeter – deutlich mehr als die nun geplante Strecke.
Mit der Einführung des alpinen Weltcups endete die Geschichte des Gornergrat-Derbys. Ein Weltcuprennen fand in Zermatt bis heute nicht statt. Auch die groß angekündigte Rückkehr auf die Gran Becca blieb ohne Rennlauf.
Im Februar 2025 einigten sich die Zermatt Bergbahnen, Swiss-Ski und die FIS schließlich auf einen neuen Weg. Die Vereinbarung stellt Zermatt von 2028 bis 2034 jährlich zwei Männer-Speedrennen in der zweiten Märzhälfte in Aussicht. Voraussetzung bleiben die Homologation der Strecke und ein funktionierendes Veranstaltungskonzept.
Erst Europacup, dann Weltcup: Die Strecke muss sich beweisen
Bis Herbst 2027 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Schon im Januar 2028 könnten die ersten Trainings auf der neuen Piste stattfinden. Im Februar ist laut „Blick“ eine Europacup-Abfahrt als Generalprobe vorgesehen, bevor im März der Weltcup folgen soll.
Ganz ohne Gegenwind läuft der Zeitplan nicht. Hannes Trinkl, Speed-Verantwortlicher für den Männer-Weltcup, soll sich für eine längere Testphase und eine Premiere erst 2029 ausgesprochen haben. Die Verantwortlichen in Zermatt und bei Swiss-Ski halten den Start im März 2028 dagegen für machbar. Ob es tatsächlich so weit kommt, entscheidet sich nach den Tests und mit der endgültigen Freigabe durch die FIS.
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