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Interview Pitztaler Gletscher
Nachgefragt bei Willi Krüger (Geschäftsführer Pitztaler Gletscherbahn) Was macht Ihr Gletscher-Skigebiet so unverwechselbar. Warum sollte man unbedingt am Pitztaler Gletscher vorbei schauen? Die Kombination von Österreichs höchstem Gletscherskigebiet (bis 3.440 Meter) und dem Winterskigebiet Rifflsee (bis 2.800 Meter) bietet die Schneesicherheit, die Pistenvielfalt, die Bandbreite der Gäste vom Kind (Bambini Freipass) bis zur trainierenden Nationalmannschaft. Zusätzlich bietet das Pitztal mit der Wildspitze (3.774 Meter) eine landschaftliche Besonderheit. Herbstzeit ist auf den Gletschern auch Eventzeit. Was bietet Ihr Gletscherskigebiet an Veranstaltungen zum Start in die Skisaison? Zahlreiche Skitests stehen auf dem Programm, speziell an den Wochenenden. Vom 21. bis 28. November 2009 steigt die Jubiläumswoche 40 Jahre WSV (Westdeutscher Skiverband). Zum Programm der Saisoneröffnungsfahrt gehört ein Auftritt der rheinischen Kultband „De Räuber“ bei einem Abend am Gletscher. Vom 11. bis 13. Dezember gastiert bereits zum 16. Mal der Behinderten-Europacup bei uns am Gletscher. Ende Oktober/November sowie im März und April ist bei uns am meisten los - abhängig von der Gesamtschneelage im Alpenraum. Ca. 60 Prozent unserer Gäste kommen aus Deutschland, ca. 12 Prozent aus der Schweiz, ca. 10 Prozent aus den Beneluxstaaten; ca 8 Prozent aus den zentraleuropäischen Staaten, ca. 5 Prozent aus Österreich und ca 5 Prozent aus anderen Ländern. Der Klimawandel ist nach wie vor in aller Munde. Welche Konsequenzen entstehen durch den daraus resultierenden Gletscherschwund für Ihr Skigebiet und wie versuchen Sie, diesen negativen Folgen entgegen zu wirken (verstärkte Beschneiung, Gletscherabdeckung, etc.)? Seit 2004 gibt es bei uns Vliesabdeckungsmaßnahmen, in diesem Jahr wurden ca. 5 Hektar von 85 Hektar präparierter Pistenfläche abgedeckt. Zusätzlich haben wir im Mai Schneedepots angelegt. Am 1. September wurde das SnowMaker System von IDE als Weltneuheit in Betrieb genommen. Die Anlage ermöglicht uns, auch bei Plusgraden und ohne Chemiezusatz Schnee (nicht crashed Eis !!!) zu produzieren! (siehe auch Frage 9). Wie sehen Sie die Zukunft des Gletscherskilaufs? Erfreulich ist zu beobachten, dass verstärkt Gäste aus den neuen EU-Mitgliedsländern, aber auch aus Holland, und vorwiegend den zentraleuropäischen Ländern die Schneesicherheit des Gletschers und die Pistenvielfalt sowie den Beförderungskomfort in Verbindung mit einem guten Preisleistungsverhältnis am Pitztaler Gletscher schätzen und daher Gletscherdestinationen gegenüber den lokalen, kleinen Skigebieten in ihren Herkunftsländern vorziehen. Zusätzliches Gästepotenzial wird durch Skianfänger aus den diversen Skihallen in Deutschland, den Niederlanden und Belgien aquiriert. Gletscherkundenpotenzial entwickelt sich auch vom russischen Herkunftsmarkt. Auffallend ist der Trend zur spontanen Entscheidung, zu flexiblen Anreiseterminen (nicht stur Samstag bis Samstag) und zu drei bis vier Tagen Skilauf als Kurzurlaubsform. Das dann jedoch mehrmals in der Saison. Es wurde in den vergangenen Jahren immer wieder über eine mögliche Verbindung mit dem Ötztaler Gletscherskigebiet diskutiert. Wie ist hier von Seiten des Pitztales der aktuelle Stand? Hier gibt es keine neuen Entwicklungen. Das Projekt ist weiter in der Planungsphase. Beide Täler wollen es. 2006 wurde die neue Mittelbergbahn in Betrieb genommen, die für eine erhebliche Komfortverbesserung am Pitztaler Gletscher gesorgt hat. Wie fällt nach drei Betriebsjahren das Zwischenfazit für die Anlage aus?
Sie hatten es bereits angesprochen: mittlerweile läuft am Pitztaler Gletscher der "IDE-Snowmaker". Wie sind die Erfahrungen mit dieser Anlage und was war die Motivation für diese Investition? Im 24 Stunden-Betrieb kann die Anlage ca 940 Qubikmeter Schnee produzieren. Damit kann die Pistenqualität im Bereich der 6er Sesselbahn Gletschersee weiter optimiert werden und die frühzeitige Inbetriebnahme dieser Piste gewährleistet werden (u.a. bei einer zusätzlichen Slalom-Trainingsstrecke). Zudem sind wir mit der seit Langem vorhandenen Beschneiungsanlage im Frühherbst nicht mehr von den Komponenten Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind extrem abhängig. Hier zeigte sich in den letzten Jahren die Klimaänderung insofern, dass im September und Oktober weniger kalte, windstille Tage am Gletscher zu registrieren waren, die für die Nutzung herkömmlicher Schneekanonen geeignet sind. Die SnowMaker-Anlage wurde vom israelischen TechnoIogiekonzern IDE entwickelt, der ein großes Knowhow für Meerwasserentsalzungsanlagen besitzt und die Anlage zur Kühlung von Gold- und Diamantenminen einsetzt. Am Pitztaler Gletscher wurde diese Technologie erstmals in einem Skigebiet realisiert. Ich möchte weiter den bunten Gästemix für das Pitztal und den Gletscher bei den Herkunftsnationen forcieren, um die Marktabhängigkeit von ein bis zwei Märkten zu minimieren. Im Wettbewerb mit den Großen der Branche möchten wir weiterhin wahrgenommen werden. Ich will mithelfen, den Menschen im Pitztal weiterhin eine wirtschaftliche Existenz zu ermöglichen, so dass sie nicht wieder zum Pendler oder Auswanderer werden müssen. Mit neuen Skipassprodukten und neuen Beförderungsanlagen wollen wir das Interesse am Freizeitvergnügen Skifahren und Snowboarden sicherstellen. Faszinierend ist für mich bei meiner Arbeit der Umgang mit Menschen unterschiedlichster Mentalitäten sowie die Herkunftsmärkte kennen- und erleben zu lernen. Langeweile und Eintönigkeit sind in diesem Job ein Fremdwort, da nahezu täglich neue Herausforderungen entstehen (Technik, Wetter, Saisonschwankungen etc). Interview: Sascha Eyßen
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