Eisdicke nimmt deutlich ab
Gletscher-Rückgang sorgt für Sorgenfalten
Für Wissenschaftler sind Gletscher bedeutende Landschaftsformen. Sie sehen in ihnen auch wichtige Wasserspeicher. Skifahrer schätzen das vermeindlich ewige Eis außerdem als liebgewonnenen Helfer zur Saisonverlängerung im Herbst und im Frühjahr. Die Tatsache, dass die Gletscher deutlich zurückgehen, besorgt beide Gruppen.
In 50 Jahren sollen drei Viertel der Alpengletscher geschmolzen sein
Die zu diesem Thema von den Experten gereichten Zahlen sind alamierend. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1975 hatten die 5.000 Alpengletscher rund ein Drittel ihrer Fläche und die Hälfte ihres Volumens eingebüßt. In den vergangenen 34 Jahren sind die Eismassen um weitere 30 Prozent abgeschmolzen. Rund 50 Jahre noch, dann werden rund drei Viertel aller Gletscher geschmolzen sein, sagen die Experten. Als Verusacher wird von den Wissenschaftlern der von den Menschen verusachte Treibhauseffekt angesehen, der einen Anstieg der Durchschnittstemperaturen bewirkt. Nicht nur Schneemangel im Winter, sondern vor allem die strahlungsintensiven und warmen Frühlings- und Sommermonate und die Starkregenfälle sind für das schwindende Volumen und die negative Massenbilanz der Gletscher entscheidend.
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Gletscherspalten in Saas-Fee. |
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Bildvergleiche zeigen Ausmaß des Rückgangs
Auf mehr als 100 Bildvergleichen zeigt die Gesellschaft für Ökologische Forschung in Ausstellungen und Büchern die Größe der Alpengletscher vor Jahrzehnten und heute. Seit Jahren sind Mitarbeiter im Sommer in mehreren Teams auf Fototour in den Alpen unterwegs. Im Gepäck hatten sie alte Aufnahmen der Gletscher, meist auf Postkarten. Im direkten Vergleich zu den neuen Aufnahmen zeigt sich das ganze Ausmaß der Gletscherschmelze. So ist beispielsweise die Gletscheroberfläche der Pasterze am Großglockner 150 Meter eingesunken.
Vielfältige Gefahren durch Gletscherrückgang
Die Gefahren, die durch den Gletscherschwund entstehen, sind vielfältig: Der Rückgang des Eises legt Schuttareale und Felsflanken frei; bei starken Regenfällen können ganze Berghänge als Mure zu Tal gehen. Zudem können Gletscherlawinen abgehen und Gletscherseen, die durchbrechen, Siedlungen mit Schlamm- und Schuttfluten bedrohen. Vermehrt sterben auch Pflanzenarten der Hochgebirgsflora aus. Da Gletscher wichtige Wasserspeicher sind und ein Teil der europäischen Ströme in den Hochalpen entspringt, wird der Wasserhaushalt gestört, die Hochwassergefahr wächst. Die Wetterextreme nehmen zu und die Schneefallgrenze verschiebt sich nach oben.
Permafrost taut auf
Permafrost - das ist jene etwa 20 bis 100 Meter dicke Schicht aus Eis und Boden im Hochgebirge, die normalerweise das ganze Jahr über gefroren bleibt. In den letzten 100 Jahren hat sich die Permafrostgrenze bereits 150 bis 200 Höhenmeter nach oben verschoben. Die Temperaturen der Permafrostböden im Gebirge steigen mit ähnlicher Geschwindigkeit an wie die Lufttemperaturen. Taut das Bodeneis, kommen die Berghänge in Bewegung.
Text: Sascha Eyßen
Fotos: Pascal Eyßen (1), Sascha Eyßen (1)