Kitzbühel
Powder-Treeski-Paradies
Schneefall, Schneefall und nochmals Schneefall. Wenn es so stark schneit, dass man oberhalb der Baumgrenze seine Hand nicht mehr vor Augen sieht, dann ist Kitzbühel zweifelsohne the Place to be. Denn zwischen Hahnenkamm und Pengelstein finden sich jede Menge Treeski-Varianten, die selbst bei Schneegestöber mit guten Sichtbedingungen aufwarten können.
Frau Holle als Maskottchen der Kitzbühler Alpen scheint seit Sylvester nicht mehr aufhören zu wollen, ihre Kissen über der Gamsstadt zu entleeren. 215 Zentimeter Schnee auf den Grasbergen im Tiroler Unterland sind geradezu eine paradiesische Grundlage für Freerider.
Unser Tag beginnt in der Hahnenkammbahn. Kaum aus der Gondel draußen können wir uns schon nicht mehr zügeln. Kurzer LVS Check und direkt stechen wir links hinein in die weiten Powderhänge. In langen Turns schießen wir über die tief verschneiten Wiesen talwärts und folgen schließlich der Asten-Abfahrt zurück ins Zentrum. Wieder am Hahnenkamm angekommen können wir uns diesmal etwas besser unter Kontrolle. Statt direkt abzubiegen steuern wir teils auf und teils neben der Piste in den Ehrenbachgraben.
Der Steinbergkogel gilt nicht umsonst als das Tiefschnee-Revier im vorderen Teil des Kitzbühler Skigebiets. Eine Fahrt direkt unter dem Sessellift samt kleinem Sprung über den gut sichtbaren Panorama-Jump und schon kommt das Blut in Wallung. Die Naturpipe links der Piste lässt auch im unteren Teil keine Langeweile aufkommen. Bei unserer zweiten Fahrt folgen wir dem der Schwarzen 17 in den Powder-Heaven. Wie so häufig können wir als jungfräuliche Spuren in den weiten Hang ziehen. Unten im Wald nutzen wir die Windstille und Sichtverhältnisse für einige Fotos. Bis zum Kopf scheine ich auf den Bildern trotz der dicken Watea-Latten unter meinen Füßen im Schnee zu versinken.
Mit Hilfe des gleichnamigen Sechsersessels erklimmen wir die Ehrenbachhöhe. Auch auf der Vorderseite in Richtung Kirchberg gibt es bei solchen Verhältnissen nette Tiefschneehänge. Wie ein länglicher Spielplatz bahnt sich die Trasse des alten Maierl III Sessellifts ihren Weg durch die Bäume, zahlreiche Pillows und einige kleine Sprünge inklusive.
Die Einkehr in die Fleckalm gehört fast schon zur Tradition, wenn wir in Kitzbühel unterwegs sind. Meist machen wir uns über die Leckerein her, wenn wir den Skitag beendet haben. Heute freuen wir uns über eine kurze Mittagsjause.
Gut gesättigt klicken die Bindungen und weiter geht es. Mit Fleckalmbahn, Steinbergkogel und Kasereck nehmen wir Kurs auf den Pengelstein. Auch hier finden wir im Wald unterhalb des Pengelstein Lifts Pulverschnee bis zum Umfallen. Ab der Mittelstation ziehen wir linksseitig der Piste unsere Lines über die lichten Waldschneisen.
Unser ursprüngliches Tagesziel, den Zweitausender im Paßthurn-Gebiet zu erreichen, streichen wir. Lieber bleiben wir hier an den fluffigen Nordwesthängen. Die Hieslegg-Bahn alleine hätte heute genug Terrain für einen ganzen Nachmittag zu bieten.
Zum Abschluss eines „real Powder-Days“ gönnen wir uns noch die langen Hänge beidseitig der Schwarzkogel-Abfahrt nach Aschau. Da es seit unserem Start um zehn Uhr schon wieder gute Dreißig Zentimeter geschneit hat, ist von der Piste nicht mehr viel zu sehen. Ob wir also ins Gelände ausweichen oder zwischen den Markierungen bleiben, macht keinen wirklichen Unterschied.
Nirgendwo ist das Warten auf den Skibus gemütlicher als in Aschau. Für durstige Freerider Kehlen hat der Fritzwirt immer ein kaltes Radler parat. Zufrieden stoßen wir auf den gelungen Skitag an und stellen wieder einmal fest: Nicht nur im Rennlauf, auch im Treeskiing gebührt Kitzbühel das Prädikat „Weltklasse“!
Text: Martin Hesse
Fotos: Jessica Haupt