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Bericht: Freeriden zwischen Salzburg und Tirol


Powder-Skiing in Gerlos
Freeriden zwischen Salzburg und Tirol

Die weiten Hänge der Zillertal Arena.

Eigentlich ist sie nicht klein und erst recht kein unbekanntes Skigebiet; Doch während die die Nachbargebiete Hochfügen und Mayrhofen immer wieder für ihre weitläufigen Runs abseits präparierter Pisten Freerider angepriesen werden, konnte sich die Zillertal-Arena über den Orten Gerlos, Zell und Königleiten ihren Status als Secret Freeride Spot bisher bewahren.

Es ist Freitagabend als sich unser Auto bei dichtem Schneetreiben die Gerlospass Straße hinauf schraubt. Unser Ziel ist Gerlos oder genauer gesagt der Innertaler Hof direkt neben der Gondelstation der Isskogelbahn. Zentral in der Zillertal-Arena gelegen, erschien uns Gerlos als prädestinierte Ausgangslocation für unsere Erkundung des 166 Pistenkilometer zählenden Skizirkus.

Freeriden Gerlos.
Freeriden Gerlos.
Keine Frage, dass wir pünktlich um 8.30h mit unseren gepackten Ortovox Rucksäcken inklusive der Alpenvereinskarte Kitzbüheler Alpen West an der Gondelstation warten, um als Erste an diesem Tage die Hänge zu stürmen. Die Internetrecherche hatte ergeben, dass es rund um den höchsten Punkt des Skigebiets am Krimml-Express interessante Runs geben soll. Also nichts wie hin.

Just in dem Moment, in dem wir im Krimml-Express sitzen, schieben sich die Wolken beiseite. Was unsere Augen rechter Hand zu sehen bekommen, können wir zunächst kaum glauben. Ein unverspurter Hang mit zahlreichen Couloirs und jeder Menge kleinerer und größerer Cliffs. Lediglich eine kleine Gruppe Rider ist bereits hier, um einige Sequenzen auf Video festzuhalten.

Zügig queren wir hinaus auf der Wilden Krimml und stürzen uns hinein ins Vergnügen. Bei 18 Grad minus ist der Schnee wie Federn. Bei jedem Turn spritzen die 40 Zentimeter Neuschnee ins Gesicht. Was für ein Feeling. Wie lange hatten wir diese Saison auf solch einen Tag warten müssen. Und jetzt ist er da, hier oben zwischen Gerlos und Zell am Ziller.

Klippe in Gerlos.
Klippe in Gerlos.
Wieder oben am Krimml-Grat angekommen, blicken wir die Westseite hinunter. Noch so ein gigantischer Hang. Nur noch länger und weitläufiger. Nach zwei Schwüngen sind wir wie im Rausch. Anhalten kommt nicht in Frage. Stattdessen lassen wir es laufen und laufen und laufen. Ein kurzer Zwischenhalt und dann geht es hinab zum Zeller Kapaunslift.

Mühelos könnten wir auch den ganzen Tag an diesen zwei Hängen verbringen, doch wir wollen ja noch mehr kennenlernen. Diesmal steige ich von der Bergstation des Krimml Expresses einige Meter in Richtung Kreuzjoch auf. Jessi hat an der oberen Steilpassage einen Foto-Spot ausgemacht. Mit zweimal tief Luft holen stürze ich mich hinein und fahre die steilen 50-60 Meter. Und ja, es ist wirklich ein wunderschöner Shot.

Unser zweiter Tag in Gerlos beginnt direkt mit Sonnenschein. Es ist auch nicht mehr ganz so kalt. Nur noch -15 Grad sagt das Berg TV. Inzwischen sind auch unsere langjährigen Freeride-Kumpels Fredrik Andersson und Paddy Schulz eingetroffen. Gemeinsam möchten wir die andere Seite des Skigebiets erkunden. Über den Isskogel nehmen wir Kurs auf Königsleiten.

Der breite Südwest Hang der Königsleiten Spitze lockt schon von Weitem. Hier sind wir zwar nicht alleine, doch die enorme Breite des Hanges macht es möglich, auch zwei Tage nach dem letzten Schneefall hier noch unverspurtes Terrain zu finden. Bei unserer zweiten Fahrt steigen wir hinauf zum Gipfelkreuz der Königsleiten Spitze. In Exposition Nordost liegt der lange Gipfelgrat des Müllachgeiers zu unseren Füßen. Lt. Tourenführer beginnt dort die Skitour auf den Salzachgeier, einen der höchsten Gipfel der Kitzbüheler Alpen. Der prächtige Doppelgipfel ist heute jedoch nicht unser Ziel. Lediglich die ersten Hänge hinunter in den Salzachgraben erscheinen uns vielversprechend. Der Karte nach sind sie zwar nicht besonders steil, dafür aber lang und sicherlich nahezu unberührt. Als ich nach kurzem Hike den oberen Teil der Abfahrt einsehen kann, beginne ich zu lachen. „Heliskiing in Kanada“, entfährt es mir. Ja, so ähnlich sind die Hänge tatsächlich. Weit und breit kein Baum, kein Hindernis, nur seichtes kuppiertes Gelände. Nicht extrem aber wunderschön.

Gerlos liegt an der Grenze zwischen Salzburg und Tirol.
Gerlos liegt an der Grenze
zwischen Salzburg und
Tirol.
Immer wieder zückt Jessi die Kamera, um einige Fotos zu schießen. Anders würde dies ja keiner glauben. Nach rund 400 Höhenmeter durch Little Canada erreichen wir nahe der Mottland Grundalm den Talgrund. Ab hier geht es weiter den Forstweg entlang talauswärt. Nun wird uns klar, weswegen diese Variante so selten befahren wird. Immer wieder heißt es abschnallen oder sich im Schlittschuhschritt kleine Gegenanstiege hinaufarbeiten. Wer ein zweites Auto parat hat, sollte dies am Talausgang parken. Wir haben keins und heute haben auch nicht alle von uns Felle dabei. Also machen wir uns zu Fuß auf den gut 35 minütigen Fußmarsch zurück nach Königsleiten.

Mit breitem Grinsen und doch ein wenig geschafft von zwei intensiven Tagen Freeriden lassen wir uns zum Abschluss des Wochenendes auf der Terrasse der Rösslalm nieder und ziehen Resümee. Steilhänge, Rinnen, Cliffs, weite Almwiesen und nur wenige Off-Piste-Fahrer. Eins ist sicher: Wenn sich die nächsten Schneestürme über dem Zillertal entleeren, dann kommen wir wieder zum Powder-Skiing nach Gerlos.

Text: Martin Hesse
Fotos: Jessica Haupt 



Bilder und Fotos


<p>Gerlos liegt an der Grenze zwischen Salzburg und Tirol</p><p>Klippe in Gerlos</p><p>Die weiten Hänge der Zillertal Arena</p><p>Freeriden Gerlos</p>



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