Freeriden in Colorado (4)
Last Stop Silverton
Telluride und Silverton, beides Zieldestinationen des Deutschen Spezial-Reiseanbieters Personal-Scout-Tours, trennen Luftlinie gerade mal zehn Meilen von einander. Mit dem Auto muss man jedoch auf dem San Juan Skyway das gesamte Bergmassiv umrunden.
Blaulicht blinkte hinter uns als wir die Passstraße Richtung Ridgeway hinunter fuhren. Mit gekünstelt schlechtem Englisch erklärten wir dem Hilfssheriff, dass wir doch lediglich den anderen Autos gefolgt seien. Doch selbst dies half nicht. Freundlich aber bestimmend bestand er weiterhin darauf, dass wir rund 5 Meilen pro Stunde zu schnell unterwegs gewesen waren. Als Ersttäter ist im Staate Colorado hier glücklicher Weise nur eine Verwarnung, keine Strafe, fällig.
Auf dem kurvigen Red-Mountain-Pass begann es wieder zu schneien. Konnte uns nur recht sein, schließlich stand uns noch ein weiteres Highlight unseres Roadtrips bevor.
Silverton liegt in jeder Hinsicht hinter dem Berg. Beim Anblick der Fassaden würde es nicht verwundern, wenn Jesse James jede Minute auf seinem Pferd die Greene Street entlang geritten käme. In der Tat trieb der bekannteste Bandit des Wilden Westens des Öfteren in dieser Gegend sein Unwesen. Ob er dabei auch im Historic Teller House abgestiegen war, ist nicht übermittelt. Dieses historische Hotel, das sich Personal Scout Tours als Unterkunft in Silverton ausgesucht hat, versprüht mit seinen gemütlichen Zimmern so richtig den Charme dieses einzigartigen Ortes. Ausgehungert von dem langen Tag auf Ski und on the Road bestellen wir uns im Silverton Grill zwei riesige Portionen Spare Ribs und fallen anschließend direkt ins Bett.
Um 7:30 klingelte der Wecker. Der Duft von frischen, ofenwarmen Blueberry Muffins zog bereits aus der Bar schräg gegenüber durch die Straße. Schnell also in die Klamotten und ab ging es zum Frühstück.
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Freeriden in Silverton Colorado. |
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In Silverton haben Freerider grundsätzlich zwei Optionen. Der Silverton Mountain mit seinem alten Sessellift liegt ca. 6 Meilen taleinwärts. Während der Hauptsaison dürfen pro Tag jedoch nur 80 Rider und ausschließlich in Begleitung eines Guides auf den Berg. Die zweite Option lautet Cat-Skiing am Molass-Pass auf der anderen Seite des Ortes in Richtung Durango, wo sich auch der nächstgelegene Flughafen befindet. Da uns nur mehr ein Tag blieb, fiel unsere Wahl auf Cat-Skiing.
Ziemlich genau 15 Minuten schraubte sich unser Jeep von Silverton Downtown die Passstraße hinauf zur gut versteckten Basis der Silverton Powdercats. Nach einer kurzen LVS-Einweisung ging es direkt los. Drei Guides pro Snow-Cat, die sich immer rollierend als Fahrer, Guide und Schlussmann abwechselten, führten uns in das abgelegene Gelände.
Blue Sky, Powder und menschenleere Hänge: was könnte man sich als Skifahrer noch Schöneres vorstellen? 2-3 Turns, die Ski glitten durch den Schnee und gleich kam es wieder dieses surfähnliche Gefühl, nach dem es uns immer dürstet.
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Snowcatskiing in Silverton. |
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Das Areal von Silverton Powdercats umfasst insgesamt ein Terrain von über 140 Quadratkilometern, welches sich von 3.000 Metern über dem Meer bis auf 3.800 Metern erstreckt. Von Ende Dezember bis Mitte April guiden John und sein Team Gäste aus aller Welt in dieser wunderschönen Berglandschaft. Das Gebiet rund um den markanten Greyrock Peak ist etwas für Genießer. Steilhänge sucht man hier vergebens, dafür unendlich weite sanfte Hänge, teils offen, teils von lichten Wäldern bewuchert, die sogar bei schlechtem Wetter Cat-Skiing ermöglichen.
Run für Run arbeiteten wir uns an diesem Tag weiter in das Gebiet hinein. Nach 6 oder 7 Runs auf der Vorderseite, deutete John die Backside hinunter. „Dort unten an der Road (gemeint waren die Spuren unserer Cat) werden wir Lunch-Pause einlegen.“
Ein nettes Cliff hatte es uns auf dem Weg hinunter zum Pausenplatz angetan. Klar, dass Jessi sofort die Kamera zückte. Und siehe da, bei diesen perfekten Bedingungen ließ es sich einer unserer Deutschen Mitstreiter nicht nehmen, den ersten Cliff-Jump seines Lebens hinzulegen. „Wenn nicht hier, wo dann“, fragte er sich, bevor er allen Mut zusammen nahm und sich in die kurze Luftfahrt begab.
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Mittagspause auf amerikanisch. |
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Was Jimbo unser zweiter Guide schließlich als Lunch-Buffet servierte, findet man normaler Weise eher in einem Restaurant, nicht aber auf einer provisorischen Schneebar im tiefsten Backcountry Colorados. Bei Sandwiches, frischer Ananas und Cookies tankten wir unsere Kraftreserven wieder auf. Gut so, schließlich sollte noch ein längerer Nachmittag auf uns warten.
Während andere Cat-Ski-Operators häufig penibel genau die Runs des Tages abzählen, machten John und Co. den Eindruck, gar nicht mehr aufhören zu wollen. Vierzehn, fünfzehn oder gar sechzehn Runs dürften es gewesen sein, bis wir schließlich mit schweren Beinen den letzten Run hinunter zur Basis in Angriff nahmen. Was für ein top Preis-Leistungs-Verhältnis!
Während für unsere Begleiter der Tag nun zu Ende war, wartete auf uns noch der letzte Höhepunkt unseres Roadtrips: Eine Snow-Mobile-Tour durch die Hochebene am Molass-Pass. Personal-Scout-Tours arrangiert diese Touren mit Durango Ice Pirates direkt am Parkplatz der Catski Basis. Gemeinsam mit Ice-Pirate-Boss Eric schwangen wir uns auf die kraftstrotzenden Maschinen und jagten passend zum Wilden Westen in Lucky-Luke-Style dem Sonnenuntergang entgegen. Ein herrliches Ende unseres 10 tägigen Trips.
Zusammengefasst könnte man die letzten acht Tage folgendermaßen ausdrücken:
- Aspen: Bei vier Skigebieten wird es garantiert nicht langweilig.
- Crested Butte: Cowboy Metropole und US Hauptstadt für Extreme Skiing.
- Telluride: Das wohl vielseitigste Skigebiet mit Heliski-Basis.
- Silverton: Einfach einmalig. Ein Muss auf jedem Roadtrip durch Colorado.
Text: Martin Hesse
Fotos: Jessica Haupt & Martin Hesse