30.12.2004/01.01.2005: St. Anton / Arlberg
Perfekte Harmonie zwischen Tradition und Moderne
Im Sommer bewirtschaftet Ursula Lorenz gemeinsam mit ihrem Mann die Edmund-Graf-Hütte hoch über Pettneu, im Winter vermietet sie in dem kleinen Nachbarort von St. Anton am Arlberg Zimmer an Skitouristen. Selbst jene Stammgäste, die in der Skiwelt schon weit herum gekommen sind, stimmen dann immer wieder Lobeshymnen an: "Nirgendwo ist es so schön wie am Arlberg!" Die Gründe für das positive Gästeecho sind triftig. Die wohl vielseitigste Skiregion der Ostalpen bietet eben nicht nur breit planierte Pistenautobahnen, sondern auch eine große Anzahl an rassigen Tiefschneerouten und Buckelpisten. Zu den 260 Kilometern präparierten Pisten gesellen sich 185 Kilometer Tiefschneeabfahrten.
Konsolidierung auf höchstem Niveau
Als Wiege des Skilaufs wird St. Anton ob seiner Vorreiterrolle im Skilehrerwesen gerne bezeichnet, zur Tradition ist längst die Moderne gekommen. Von den Investitionen im Vorfeld der Alpinen Ski-WM 2001 wird der Ort noch viele Jahre zehren. Zur Qualitätsverbesserung des Skigebietes kamen Infrastrukturmaßmen wie etwa die Verlegung des Bahnhofes aus dem Ortskern hinaus. Auch in den Nach-WM-Wintern wurde weiter investiert. Allein vor der Saison 03/04 flossen 13 Millionen in die Qualitätsverbesserung des Skigebietes. In vergangenen Sommer ließ man es ruhiger angehen. "Wir sind sehr stolz auf das, was wir erreicht haben", sagt Tourimsusdirektor Heinrich Wagner. "Aber jetzt kehrt erst einmal Ruhe ein. Wir konsolidieren uns." Die Konsolidierung erfolgt auf höchstem Niveau. Der WM-Ort verfügt nicht nur über tolle Pisten, sondern auch auf Jahre hinaus über topmoderne Anlagen.
Sonnenschein zum Jahreswechsel
Bei unserem zweitägigen Besuch in St. Anton werden wir mit gutem Wetter verwöhnt. Nur am Neujahrsmorgen lässt sich die Sonne nicht blicken, überlegt es sich gegen Mittag dann aber glücklicherweise doch noch einmal anders. Beste Voraussetzungen also, um die tiroler Seite des Arlbergs unter die Lupe zu nehmen. Nach recht zähem Beginn kam der Winter in dem 50 Quadratkilometer großen Skiareal doch noch rechtzeitig in die Gänge. Die Pisten von St. Anton präsentieren sich derzeit bestens in Schuss. Dennoch legen auch die insgesamt 110 Schneekanonen weiter regelmäßig Nachtschichten ein. Nach einer ausgiebigen Rundtour durch das Skigebiet ist uns klar: Albona, Schindlergrat, Valluga oder Mattun genießen ob ihrer anspruchsvollen Pisten zu Recht Weltruf. Schwächere Skifahrer kommen am Gampen, am Rendl, aber auch am oberen Teil des Galzig, dem Dreh- und Angelpunkt des Skigebietes von St. Anton, zu ihrem Recht. Am Kapall, quasi die obere Etage des Gampen, locken schließlich neben den WM-Strecken auch leichtere Familienabfahrten.
Wechselspiel zwischen grimmigen Buckeln und tollen Tiefschneeträumen
Für den Schindlergrat allein lohnt sich die Anreise nach St. Anton. Von hier starten mehrere Superabfahrten. Abhängig vom Zeitpunkt des letzten Schneefalls warten Tiefschneeträume oder grimmige Buckelhänge. Für uns ist nach einigen Tagen Sonnenschein letzteres angesagt. Auch auf der Galzig-Kandahar, eine der zahlreichen schwarzen Pisten, schmerzen uns bisweilen die Oberschenkel. Ein Muss beim Besuch des Arlbergs ist ein Besuch der Valluga, mit 2.811 m der höchste Punkt im Skigebiet von St. Anton. Für die meisten Skifahrer endet die Fahrt zur Valluga am Vallugagrat (2.650 m). Von dort drängen sie in Richtung der Abfahrten, von denen die meisten auch mit der Sesselbahn Schindlergrat erreichbar sind. Einmal im Urlaub sollte man aber schon einmal die letzte Teilstrecke zum Vallugagipfel in Angriff nehmen. Die Ski bleiben bei den meisten Urlaubern aber zurück, schließlich ist die höchst anspruchsvolle Abfahrt durch das Pazieltal nach Lech nur mit einem Skiführer oder Skilehrer gestattet.
Der Arlberg ehrt eine Legende
Nicht zuletzt für "Skihistoriker" ist ein Besuch am Arlberg in diesem Winter äußerst lohnenswert. Der Todestag von Hannes Schneider - Ski-Pionier, Querdenker, Filmstar und Erfinder der modernen Skilauftechnik in einer Person - jährt sich am 26. April zum 50. Mal. Seine Heimatgemeinde Stuben und die restliche Arlbergregion ehrt die Legende mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen. Unter anderem widmet das Ski- und Heinmatmuseum im Kandaharhaus Hannes Schneider eine Ausstellung. Museumsmuffel müssen in St. Anton natürlich auch nicht darben. Nicht nur das Skigebiet, auch das Nachtleben ist bekanntlich legendär. Das gastronomische Angebot reicht von tiroler Schmankerln bis zur Haubenküche. Weiteres Highlight für die Nachmittags- und Abendgestaltung: Die ARLBERG-well.com, eine Freizeitoase mit Hallenbad und großem Wellnessangebot.
Tiefschneefreaks suchen Europameister
Nochmals zurück zum berühmten Arlberger Tiefschnee. Vom 12. bis 15. Januar steigen in St. Anton die Europameisterschaften der Tiefschneefahrer, die Powder 8 European Championships. Teilnehmen können alle, die sich rechtzeitig zu den Qualifikationsläufen am 13. Januar angemeldet haben. Solltet Ihr es so schnell nicht bis zum Arlberg schaffen - auch kein Problem. Das Skigebiet von St. Anton hat in diesem Winter bis zum 26. April geöffnet. In St. Christoph laufen die Lifte sogar bis zum 2. Mai.
Text: Sascha Eyßen, Florian Weis und Caroline Weis
Fotos: Florian Weis (3), Sascha Eyßen (1)