02.01.2004: Lech/Zürs
Ein Jahrhundert voll gepackt mit bestem Pulverschnee
1906 war`s. Eine Dame und fünf Herren nahmen unter der Leitung von Viktor Sohm am allerersten Skikurs in Zürs teil. Knapp 100 Jahre später schauen die Pioniere von einst den weitaus besser ausgerüsteten Touristen der Gegenwart im Seekopfrestaurant am Zürser See beim Essen zu. Wie die Wetterverhältnisse damals waren, ist auf dem fast lebensgroßen Poster nicht zu erkennen. Wir jedenfalls haben bei unserem Besuch in Lech/Zürs kein Wetterglück. Erst fällt Neuschnee, dann zieht Sturm auf und zwingt die Liftbetreiber dazu, den Betrieb einiger Anlagen einzustellen. Der „weiße Ring“ , der fast alle interessanten Abfahrten des Skigebietes Lech/Zürs einschließt, ist heute nicht möglich. Wir trösten uns mit der Tatsache, dass der berühmte Arlberger Pulverschnee ja auch irgendwann einmal fallen muss. Die Gewissheit, dass Lech/Zürs für uns Skifahrer fast keine Wünsche offen lässt, hatten wir uns ohnehin schon bei früheren Besuchen verschafft.
Zürs zieht Hochadel wie Normalbürger gleichermaßen an
Die ersten Etappen der Rundtour können wir aber noch absolvieren. Von unserem Startort Lech geht es mit der Rüfikopfbahn fast 900 m in die Höhe. Zum Aufwärmen wedeln wir über die weiten Hänge hinab ins Monzabon, per Lift geht es hinauf zum Schüttboden und von dort entlang der Hexenbodenlifte runter nach Zürs, der kleinste aber sicher auch feinste aller Arlbergorte. Das Hoteldorf konzentriert sich einzig auf die Wintersaison, hat den Sommer über geschlossen. Die zahlreichen Luxushotels ziehen nicht nur gut betuchte Normalbürger an. Auch der Hochadel, allen voran Prinz Charles, wedelt hier regelmäßig über die Pisten.
Fünf Kilometer lange Traumanfahrt vom Madloch-Joch hinunter nach Zug
Auf dem Weg zum Madloch-Joch müssen wir unsere Rundtour aufgrund eingangs erwähntem Sturm abbrechen. Mit dem Bus geht es zurück nach Lech, auf den Pisten am Schlegelkopf können uns Schneefall und Wind nicht so viel anhaben. Entgangen ist uns in Zürs die tolle Abfahrt vom Muggengrat ins Zürser Täli sowie der Tripp über das Madloch-Joch hinunter nach Zug, mit 5 km die längste Abfahrt im Skigebiet Lech/Zürs. Von Zug geht es über das Kriegerhorn zurück auf die Lecher Seite. Hier ist man mittendrin im wichtigsten Skigebiet von Lech. Die meisten Pisten zwischen Schlegelkopf, Kriegerhorn, Schloßköpfen, Petersboden und Zuger Hochlicht werden als leicht und mittelschwer eingestuft.
Drei beheizte Sesselbahnen in Lech
Eine Vorreiterrolle haben Lech und Zürs, wo 1938 der erste Umlaufschlepplift Österreichs eröffnet wurde, im Bereich der Liftentwicklung immer schon gespielt. Diesem Ruf machte man auch vor dieser Saison alle Ehre. Seit dem Saisonstart sind die Schlegelkopfbahn, die Kriegerhornbahn und die Steinmähderbahn sowie zwei Anlagen im benachbarten Schröcken mit beheizten Sitzen ausgerüstet. Rund 18 Monate tüftelten die Firma Doppelmayr in Kooperation mit den Skiliften Lech und den Skiliften Schröcken an der Entwicklung dieser Innovation.
Zusammenschluss mit Warth/Schröcken weiter ein Thema
Nicht nur in Sachen Liftentwicklung wird Lech/Zürs immer wieder mit dem benachbarten Skigebiet Warth/Schröcken in Verbindung gebracht, auch der Zusammenschluss der beiden Skigebiete ist seit Jahren Thema. In Warth/Schröcken wird ein möglicher Zusammenschluss fast durchweg positiv gesehen. In Lech/Zürs stehen Bergbahnvertreter und politische Entscheidungsträger einem Zusammenschluss zwar offen gegenüber, skeptische Stimmen gibt es aber aus der Bevölkerung. "Das Bestreben noch größer zu werden, ist nicht unbedingt bei allen vorhanden", sagt Claudia Lengenfelder von Lech/Zürs Tourismus. Ein liftmäßiger Zusammenschluss von Lech/Zürs mit Warth/Schröcken ist weitaus wahrscheinlicher als ein lifttechnischer Zusammenschluss mit dem Skigebiet von St. Anton. Der Arlberg-Skipass gilt zwar in beiden Gebieten, die Eingriffe in die Natur für den Bau der Liftanlagen wären bei einem Zusammenschluss mit St. Anton jedoch deutlich höher. Da man in Lech/Zürs auf den Aspekt Umweltschutz sehr viel Wert legt, hat dieses Projekt wohl wenig Realisierungschancen.
Topkino in Europas schönstem Dorf
Lech ist schließlich nicht nur der einzige Ort der Welt, der vier Olympiasieger im alpinen Skisport hervorgebracht hat, die Gemeinde darf sich zudem als Ergebnis eines europäischen Wettberwerbes mit dem Titel Titel „Schönstes Dorf Europas 2004“ schmücken. Ein Dorf, das auch Bridget Jones beeidnruckte, die die Hauptrolle des in Lech gedrehten Kinofilms „Am Rande des Wahnsinns“ spielt. Bei den Dreharbeiten der romantischen Liebeskomödie im Januar 2004 weilten 150 Crewmitglieder und rund 500 Comparsen in Lech, darunter Stars wie Renée Zellweger, Hugh Grant und Colin Firth.
Text: Sascha Eyßen, Florian Weis und Caroline Weis
Fotos: Sascha Eyßen (3), Lech/Zürs Tourismus, Alex Kaiser (1)